ÜBER LEBENSKUNST.Camp

Rand-Notizen

Header-Grafik

17.08.11 - 21.08.11 | Festival ÜBER LEBENSKUNST, Haus der Kulturen der Welt, Berlin

Rollen: Mitorganisator Grafikdesigner Öffentlichkeitsarbeit

Projektart: Ausstellung, Festival, Camp

abgelegt in den Kategorien: Archiv Blog

17.11.15

Für das Festival ÜBER LEBENSKUNST, vom 17. - 21. August 2011 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin, organisierte ich mit einigen weiteren jungen Menschen aus Halle und Leipzig ein Begleitcamp für rund 30 junge Erwachsene. Wir wohnten in einem Habitat aus Baugerüsten auf engstem Raum direkt neben dem Haus der Kulturen der Welt, schwärmten morgens aus um alle Veranstaltungen zu besuchen und diese abends in der Gruppe auszuwerten. Am letzten Tag zeigten wir die Ergebnisse in Form einer großen Abschlussperformance.

Das Kernteam bestand aus Max Upravitelev, Jenny Mahla, Henry Rudolph, Ute Larsen, Alf Thum, Anja Danilina und mir.

Bild

Das Habitat, welches wir bewohnen durften, wurde im Vorfeld des Festivals von den ArchitektInnen Marius Busch, Max Graap und Gesa Schatte in liebevoller Grobarbeit zusammengebaut. Der Aufbau ist in folgendem Video dokumentiert:

Youtube-Video: Aufbau ÜBER LEBENSKUNST.Camp

Da es zu unvorhergesehen Problemen mit der Kameratechnik kam, gibt es nur ein Video in bescheidener Qualität von unserer Abschlussperformance zu sehen:

Youtube-Video: ÜBER LEBENSKUNST.Camp - Abschlussperformance

Wem der nachfolgende Blog nicht ausreicht, der kann bei Katharina noch weiterlesen. Sie hat auch ein paar Tage miterlebt und ein paar Zeilen dazu geschrieben.

Archiv des Camp-Blogs

Leider haben es die Inhalte unseres Camp-Blogs nicht in das ÜBER LEBENSKUNST.ARCHIV geschafft. Dank der Internet Archive WaybackMachine und meiner gut sortierten Datensammlung war ich aber in der Lage, den verloren gegangenen Blog des ÜBER LEBENSKUNST.Camp zu retten und sogar alle fehlenden Bilder wiederzufinden und einzupflegen.

ÜBER LEBENSKUNST.Camp

Wie wirkt der Diskurs über die prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels auf die zukünftigen Zeitzeugen? Die Vertreter_innen der jungen Generation werden am eigenen Leib erleben, worüber die Diskutant_innen, Expert_innen und Besucher_innen des Festivals sich fünf Tage lang austauschten.

Um ihre Perspektive den gebührenden Raum im Festival zu geben, wurden 35 junge Erwachsene dazu eingeladen das Festivalprogramm kritisch zu begleiten und ihre Ideen und Anregungen einzubringen. Das Campteam hat sich zur Aufgabe gesetzt die Aktionen, künstlerischen Positionen und theoretischen Diskurse zu verfolgen und auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen. Im Garten des Hauses der Kulturen der Welt wird dazu ein Camp aufgeschlagen, in dem die Campteilnehmer_innen vier Tage lang experimentell Kunst anwenden und Wohnen mit Arbeiten verbinden werden. Als Ergebnis des Camps entsteht eine performative Deklaration, die am Sonntag (21. August) präsentiert werden und schlaglichtartig eine prägnant zugespitzte Momentaufnahme der aktuellen Debatte darstellen wird.

Blog

Festival ÜBER LEBENSKUNST.Camp

03.08.2011, 12:52, von Orga-Team

Bild

Wir suchen für das Camp 35 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25, die mit uns 5 Tage lang in einem extra für uns angelegten Camp direkt am Haus der Kulturen der Welt wohnen und die Veranstaltungen besuchen um diese kritisch zu hinterfragen.

Festival ÜBER LEBENSKUNST vom 17. bis 21.08.2011 im HKW Berlin zum Thema Klimawandel, Nachhaltigkeit und alternative Lebenskunst.

Neben einem international besetzten Konferenzprogramm, Workshops, einer Ausstellung sowie vielfältigen künstlerischen Gestaltungsformen des Themas wird es dabei uns geben:

In einer Gruppe aus 35 jungen Erwachsenen organisieren wir in den vier Tagen des Festivals ein Camp in einem eigenen Bereich des HWK (Haus der Kulturen der Welt).

Dessen TeilnehmerInnen werden sich kritisch mit dem Programm des Festivals auseinandersetzen und sich in Form von eigenen Beiträgen in die Diskussion einbringen.

Wir verstehen das Camp als einen Experimentierraum zum gemeinsamen leben, arbeiten und diskutieren. In dessen Rahmen wollen wir die Aktionen, künstlerischen Positionen, Debatten und theoretischen Diskurse des Festivals aus der Perspektive einer jungen und engagierten Generation kritisch hinterfragen. Zudem sollen eigene Ideen, Netzwerke und Projektskizzen entstehen, welche wir mit internationalen ReferentInnen, KünstlerInnen und FestivalmacherInnen diskutieren werden. Als eines der Ergebnisse des Camps soll eine performative Deklaration entstehen, das schlaglichtartig eine prägnant zugespitzte Momentaufnahme festhalten soll.

Wir sind ein junges Organisationsteam aus Leipzig und Halle und suchen für das Camp junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 aus dem Raum Berlin, die möglichst bereits praktische Erfahrung im Engagement für ökologische Nachhaltigkeit (alternative Protestformen, Performances, Aktionen unterschiedlichster Art etc.) mitbringen. Für Unterkunft in speziell eingerichteten und gestalteten Räumlichkeiten und Verpflegung durch ein großartiges Catering ist gesorgt und das alles kostet euch zudem nix!

Neben dem Arbeiten wird es natürlich ein breit gefächertes Programm der Abend- und Nachtgestaltung geben. Rückmeldungen und Fragen schickt ihr bitte gern so bald wie möglich, aber spätestens bis 1.August an: camp [at] ueber-lebenskunst.org

Die Nachschau der Vorbereitung

03.08.2011, 13:11, von Orga-Team

Bild

Festival ÜBER LEBENSKUNST – Vorbereitungsseminar des Camps

Fünfzehn junge Menschen, ein Tag, ein Vorbereitungstreffen – um der Vorstellungskraft der zukünftigen Campioniere auf die Sprünge zu helfen, trafen sich die Macher_innen am 09. Juli 2011 im Haus der Kulturen der Welt (HKW).

Neben der Organisation des Zusammenlebens von fünfzehn sich bis dato völlig unbekannten Menschen; war die Verständigung über die eigene Rolle und die performativen Aufgaben der Gruppe Teil des Vorbereitungstreffens. Katja Sussner, Janek Müller und Quirin Wildgen begrüßten die Campioniere im HKW und stellten ihnen das Festival ÜBER LEBENSKUNST vor. „ÜBER LEBENSKUNST wird kein klassisches Festival zum Konsumieren sein. Die Besucher_innen werden nicht nur teilnehmen, sondern mitmachen und gestalten“, so Katja Sussner, Organisatorin für künstlerische Produktionen des Festivals. Das Festival setzt sich mit Fragen der Nachhaltigkeit und den Herausforderungen einer postfossilen Gesellschaft an Kunst, Politik und Wirtschaft auseinander. Die Campioniere werden ihrerseits das Festivalprogramm kritisch begleiten, indem sie die Thesen der Veranstaltungen zusammentragen, reflektieren und pointiert ihre Ergebnisse mit den Besuchern_innen des daily Plenums „Klub der Perspektiven“ teilen und diskutieren. Die konzeptionelle Vorbereitung dessen war eine Hauptaufgabe des Vorbereitungstreffens. Nach dem offiziellen Teil fand bei vegetarischem Essen ein feucht-fröhlicher Ausklang statt, der mehr verspricht.

Impressionen vom Vorbereitungstreffen

LEERSTELLEN.FÜLLER #1

18.08.2011, 15:42

Bild

Das ÜBER LEBENSKUNST.Camp (ÜLK.C) schickt sich an dem Festival auf den Haifischzahn zu fühlen. Der erste Tag des Festivals hat begonnen an dem die Campteilnehmer_Innen wie freie Radikale in die seit 12.oo Uhr laufenden Veranstaltungen einfallen. Kleine Denkzellen formieren sich um die Debatten, Podien, Gespräche zu verfolgen, Stimmungslagen abzutasten und sich ein erstes Bild vom Wirken des Makroorganismus Überlebenskunst Festival zu machen.

Das Haus der Kulturen der Welt beherbergt dieses morphende Wesen, das sich das Motiv des Überlebens in einer von Menschen angegriffenen Welt vorangestellt hat. Dass dabei Menschen die Mitochondrien dieses Organismus bilden hat seinen Grund in der Sache.

Die Campbewohner_Innen fungieren als Denkzellen, fluktuierend zwischen Zentralem Nervensystem, Verdauungstrakt und Großhirnrinde. Produkte dieses Tuns folgen in Kürze. Tom

Das Über-Lebenskunst Camp

19.08.2011, 14:48, von Tanja

Bild

Überleben werden die TeilnehmerInnen des Camps garantiert. Aber es geht auch vielmehr darum über das Leben auf dieser Erde und neue Wege zur Nachhaltigkeit zu diskutieren. Einen Wohnraum im Hinterhof des Hauses der Kulturen der Welt zu schaffen, steht genau im Kontext des Überlebenskunstfestivals. Drei ArchitekturestudentInnen der TU Berlin haben ein Haus aus Gerüstbaustangen und Spanplatten konstruiert, in dem 35 junge Menschen für fünf Tage eingezogen sind.

Die CamperInnen konnten sich in der unteren Etage der Unterkunft selbst Betten aus Bierkästen bauen. Auf der obersten Ebene finden sich drei Holzhütten mit jeweils zwei Schlafplätzen und eine Dachterrasse mit Sonnenstühlen. So wie auf jedem Gerüst versetzen auch hier einzelne Schritte das Hausprojekt in Schwingung. Lediglich weiße Planen schützen die Schlafstätten vor Regen und Wind. Die ganze Unterkunft ist eng miteinander verbunden und der Lebensraum sehr begrenzt.

Tagsüber verbringen die CamperInnen ihre Zeit mit der kritischen Begutachtung des Festivals. Inspiriert vom Festivalprogramm und Installationen im Hauptgebäude und auf dem Dach haben sich die TeilnehmerInnen in fünf Arbeitsgruppen eingeteilt.

Während sich die Gruppe Lebenspraxis mit individuellen und kollektiven Praktiken der Nachhaltigkeit beschäftigt, fokussiert sich die Arbeitsgruppe Kunst und Politik auf die performativen Darstellungen des Festivals. Aber auch die politische Ökonomie, globale Disparitäten und Akteure und Strategien bilden Themenschwerpunkte für die CamperInnen.

In den bisherigen Gruppendiskussionen war das Verhältnis von Konsum und Nachhaltigkeit ganz zentral. Mit Fragen, wie: „Brauchen wir Verzicht?“ oder „Was wird zuerst sterben, der Kapitalismus oder unsere Erde?“ , werden sich die TeilnehmerInnen auch in den nächsten Tagen des Festivals auseinandersetzen.

LEERSTELLEN.FÜLLER #2

19.08.2011, 14:54, von Tom

Bild

Das Habitat wird in dieser zweiten Nacht zur Metapher. Die Bewohner_Innen der drei Etagen, in ihrer Struktur eine beeindruckende Analogie zur Struktur der Gesellschaft, erleben ein feuchtfröhliches Unwetter mit proto-apokalyptischen Ausmaßen.

Der uns umgebende Tiergarten erzeugt eine ganz eigene Klimazone. Die beste Vorbereitung der Einwohner_Innen half den Menschen nur wenig, einem Guss ausgesetzt, wie Aquakulturen unter saudischen Bewässerungsanlagen.

In der Konsequenz wurde die Campstruktur von einer Welle erfasst. Die Bewohner_Innen der ersten und zweiten Etage (ca. 25 von 32) mussten aus ihren nassgewordenen Zellen in das benachbarte Haus der Kulturen der Welt entfluchten. Während die unteren Decks geflutet wurden, begibt sich die Oberklasse in die trockenen Kabinen. Und wartet auf die Taube.

Klub der Perspektiven – Donnerstag, 18.8.2011

21.08.2011, 11:44, von Anika

Täglich wird in den kommenden Tagen ab 17.30 Uhr im Café Global der „Klub der Perspektiven„ stattfinden. In diesem Format präsentieren die Überlebenkunst.Camp-Teilnehmer_innen die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen der Öffentlichkeit, um diese gemeinsam zu diskutieren. Um die Themenstränge des Festivals, wie Wohlstand und Glücksversprechen, gesellschaftliches Handeln, Potenziale des postfossilen Zeitalters und die Frage nach dem Wirken von Staatlichkeit zu fassen, wurden Perspektivgruppen gebildet.

Die erste Gruppe „Lebenspraxis“ beschäftigte sich unter anderem mit den Auswirkungen von individuellen Praktiken, wie bewusste Ernährung oder Stromsparen, sowie mit deren gesamtgesellschaftlichen Folgen. In den Diskussionen kam immer wieder zur Sprache, inwiefern das eigene Alltagsverhalten kritisch hinterfragt werden sollte, was an der eigenen Mülltrennung im Camp deutlich wurde. Ein weiterer Aspekt war die imperiale Verbrauchsorientierung der Industriestaaten, welche die ökologischen Folgen bis heute weitgehend unreflektiert lässt. Insgesamt wurde deutlich, dass es ganz unterschiedlich Perspektiven zum eigenen Handeln unter den Gruppenteilnehmer_innen gab.

Einen anderen Fokus wählten die Gruppenmitglieder von „Kunst und Politik“. Sie haben sich vorgenommen die künstlerisch-philosophischen Positionen auf dem Festival zu reflektieren, zu konsumieren, zu partizipieren und zu rezipieren. Mit performativen Einzelaussagen, die beispielsweise Design als kulturhistorische Lebensgrundlage oder auch Wahrnehmungsebenen betrachteten, näherte sich die Gruppe den Darstellungsformen des Festivals. Sie fragten in der Diskussionsrunde, ob Existenzangst konditionierbar ist. Ist Design soziale Aktivität? Was kann ein Unternehmer von Lego lernen? Wozu technische Innovationen ohne Anwendungsbezug? Live with the machines or machines alive? Hast du noch Zeit zuzuhören? Wir haben schon so viel falsch gemacht, haben wir noch eine Chance verdient oder schaffen wir nicht mehr Probleme als wir lösen können? All das waren Fragen, die die Gruppenmitglieder beschäftigten.

Die Perspektivgruppe „Akteure und Strategien“ besuchte die Veranstaltungen im Hinblick auf die vermittelnden Ebenen. In der Konferenz zur „Unmöglichkeit und Notwendigkeit des globalen Handelns“ diskutierten die Panellisten über den Prozess der Klimaverhandlungen im Rahmen der Klimakonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) und deren Entwicklung hinsichtlich dem 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll. Da die darin angestrebten Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen nur für die Industrieländer festgelegt wurden, entstand die Idee der Vernetzung von Staaten in einer „low carbon union“. Mit den Themen Umweltgerechtigkeit und Erneuerbare Energien beschäftigte sich Jerome Ringo in seinem Workshop, welcher die Idee vorstellte, dass die USA ihre energiepolitische Souveränität mit Hilfe von Algen ausweiten könnte. Das Verhältnis zwischen Ökonomie und Nachhaltigkeit zu beleuchten, hat sich die Arbeitsgruppe „politische Ökonomie“ zur Aufgabe gemacht. Sie warf Fragen auf, wie beispielsweise verkörpert der Kapitalismus die pure Nachhaltigkeit, da er seine eigene Ressource – das Kapital – fortwährend reproduziert? Wirkt Nachhaltigkeit in diesem Sinne systemerhaltend? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Verzicht, Wachstum und Verteilung? Was muss sich zuerst ändern – die Produktion oder der Konsum?

Die Gruppe „globale Disparitäten“ knüpfte daran an und betonte das Gefälle zwischen den Industriestaaten und dem globalen Süden. Die Hauptverursacher sind nicht die am stärksten von den Folgen des Klimawandels Betroffenen, wie die aktuelle Dürre in Ostafrika erahnen lässt. Was wenn alle Chinesen zukünftig ein Auto fahren wollen? Dahinter steckt die Frage danach, wie sich das Aufsteigen der Schwellenländer auf die weltweite CO²-Billanz auswirkt. Als klimafreundlichere Alternative soll in den nächsten Tagen die Idee des „Leapfrogging“ erörtert werden. Dieser wirtschaftswissenschaftliche Ansatz zielt darauf ab, dass einzelne Stufen im Entwicklungsprozess ausgelassen werden, womit global gerechtere Lebensumstände ohne einen weiter explodierenden Ressourcenverbrauch ermöglicht werden sollen. Ergibt sich strukturell daraus, dass die Wirtschaft reguliert werden und schrumpfen muss?

Unter diesen Perspektiven und vielen Fragestellung im Kopf werden die Camp-Teilnehmer_innen auch die nächsten Tage die Veranstaltungen des Überlebenskunstfestivals kritisch durchleuchten.

Klub der Perspektiven – Freitag, 19. August 2011

21.08.2011, 11:49, von Anika

Die „freien Radikalen“ betonten, dass aus einer philosophisch-künstlerischen Perspektive es vor allem ein zentrales Anliegen sein sollte, das Bewusstsein dafür zu sensibilisieren, dass es eine Krise zu lösen gibt, um das Fortbestehen der Menschheit zu sichern. Dazu sollte gemeinsam nach Lösungen gesucht werden. Dieser Suchprozess sollte sowohl auf der individuellen sowie auf der gemeinschaftlichen Ebene stattfinden. Eine Systemtransformation zur Postwachstums-Gesellschaft kann nur durch eine Gleichzeitigkeit von Lebenspraxis und einem internationalen Erstarken von sozialen Bewegungen erreicht werden. Die Gruppe warf die Frage nach den Beziehungsgefügen zwischen Mensch, Geld, Konsum und Umwelt auf und welches Menschenbild dem zugrunde liegt.

Die Perspekivgruppe „Stratakteuter_innen“, die sich auf der Mesoebene mit Strategien und Akteur_innen beschäftigt, besuchte die Veranstaltung: „Wie die fossile Zivilisation zum Fossil wird“. Als Fazit präsentierten sie die Aufforderung dazu, dass eine Handlungsnotwendigkeit schon jetzt besteht. Die wirtschaftlich globalisierte Interdependenz führt zu einer Betroffenheit in den USA, Kambodscha, Brasilien, Kenia, Frankreich etc. Viele Akteuer_innen lassen ein Defizit an Verantwortungsübernahme erahnen und aus einer systemischen Perspektive heraus bestehen die Probleme der unzureichenden Mediationsmechanismen und die inadäquate Akteur_inneninklusion. Eine Interessendiskrepanz wird deutlich bei dem Ungleichverhältnis zwischen Nutzer_innen, Verursacher_innen und Betroffene. In der abschließenden Diskussion wurde besonders kontrovers die Idee einer Exekutive aus internationalen Experten erwogen, wobei die These konstatiert wurde, dass dem akuten Handlungsbedarf nur durch ein Verhindern von demokratischen Zeitverzögerungen gerecht werden kann.

Die „Lebenspraktiker_innen“ stellten eine „Auster-unter-der-Glocke-Installation“ vor, welche symbolisch vermitteln soll, dass wir uns aus unserer mentalen Glasglocke befreien müssen. Die Gruppe plädierte für eine Weitung des Begriffs der Nachhaltigkeit. Die häufig verwendete Perspektive der ökologischen Nachhaltigkeit kann ergänzt werden um das Verständnis einer emotionalen, sozialen, kulturellen, politischen, zeitlichen und globalen Nachhaltigkeit. Ein Beispiel ist das Kunstprojekt aus Nigeria, welches auf dem Prinzip basiert aus etwas altem und negativen etwas neues Positives zu schaffen. Aus weggeschmissenen Plastikkanistern entstand dabei ein Menschenbaum. Der Ökonom Schumpeter nannte dies einen „schöpferisch zerstörenden“ Vorgang.

Eine Erfahrung der ganz besonderen Art stellte die Exit-Performance dar, welche die Konsumenten zum Schlafen entführte. Dieses Beispiel für persönliche Nachhaltigkeit provoziert eine Entschleunigung des Alltagslebens.

Die auf die „globalen Disparitäten“-fokussierte Gruppe stellte das Konzept des „buen vivir“ vor, um zu verdeutlichen was wir vom globalen Süden lernen können. Die indigene Idee des „guten Lebens“ ist eine Philosophie des menschliche Zusammenleben nach ökologischen und sozialen Normen . In diesem Kontext wird unter einem guten Leben mehr verstanden als wirtschaftliches Wachstum und materieller Wohlstand. Es geht um einen Gleichgewichtszustand zwischen Mensch und Natur sowie um die Wahrung von kulturellen Identitäten. In Bolivien und Ecuador haben mit der Verabschiedung neuer Verfassungen die Rechte der Mutter Natur sogar Verfassungsrang erhalten. Einen bemerkenswertes Beispiel ist der vom Energieminister Ecuadors, Alberto Acosta, hervorgebrachte Vorschlag das Öl im Boden zu belassen, Kompensationszahlungen zu erhalten und dadurch den Regenwald nicht abzuholen und Millionen von Tonnen CO²-Emmissionzu verhindern. Die Frage danach wer, wie und wo gehandelt werden muss, kann mit einem „glokalen“ Vorgehen beantwortet werden, Dabei soll auf lokalen Ebene konkret gehandelt werden und die Vernetzung global stattfinden.

Die Gruppe zur „politischen Ökonomie“ postulierte, dass im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsdebatten auch die soziale Frage gestellt werden muss. Dabei bedarf es zunächst der Sicherstellung von primären Bedürfnissen, wie Ernährung, Bildung und Gesundheit, bevor ökologische Debatten geführt werden können. Bei dem anthropologisch zentrierten Diskurs um den individuellen Konsum sollte ergänzend auch die andere Seite der Medaille - die ökologischen Folgen der kapitalistischen Produktionsverhältnisse mitgedacht werden.

Das Scheitern der Klimaverhandlungen verdeutlicht die Unfähigkeit der Staaten adäquat zu handeln. Dennoch kann der Staat als Regulator auftreten, wenn eine Kooperation innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft gefördert werden würde. Eine entsprechende Utopie ist die Idee einer demokratischen Weltregierung.

Das Überlebenskunstcamp in Aktion

21.08.2011, 11:51, von Tanja

Mittlerweile haben die CampbewohnerInnen vier Tage im Hinterhof des Hauses der Kulturen der Welt überlebt. Diskutiert wurde bisher schon viel. Nun griffen die TeilnehmerInnen mit eigenen Performances in das Festivalgeschehen ein.

„Haste ma´n Bio-Salat?“ stand auf lapprigen Pappschildern geschrieben, die die Dreck verschmierten ÜbelebenskünstlerInnen vor das Auditorium hielten. Arm, verwahrlost und hungrig auf den Bio-Salat präsentierten sie sich den Festival-BesucherInnen. Zur Abhilfe dieser Not bot ein weiterer Teilnehmer Salatköpfe aus dem Küchenmüll für nur 15€ an. Die meisten Leute ignorieren die BettlerInnen oder warfen mitleidige Blicke über die Schulter. Einige wollten sogar tatsächlich den Bio-Salat für die offensichtliche Inszenierung kaufen. Auffällig war vor allem, dass niemand die Szene in Frage stellte oder sich über das Dargebotene empörte.

Die CamperInnen positionierten sich an verschiedenen Stellen auf dem Festivalgelände. So auch bei einer politischen Diskussionsrunde, in der die Performance nicht weiter ignoriert werden konnte. Eine Antwort auf die Diskrepanz zwischen Armut und Bio-Wahn konnte aber nicht gegeben werden. Jedoch wurde deutlich, dass die ökologische Frage an die soziale Frage gekoppelt werden muss.Ein weiterer Hingucker war der Camper Potter, der sich mitten in der Eingangshalle des Inbau-Einbau-Projekts in einer Mülltonne mit Bio-Salat besudelte, was auf den Bildschirmen des Festivals übertragen wurde.

Der darauffolgende Klub der Perspektiven wertete die Aktionen aus. Außerdem fassten die verschiedenen Perspektivgruppen ihre besuchten Veranstaltungen und neuen Überlegungen zur Überlebenskunst zusammen. Die Gruppe der „freien Radikalen“ entwickelte beispielsweise drei Experimente. Das erste umfasste eine Umfrage der Festival-BesucherInnen mit der Frage wovon sie träumen. Das zweite Experiment bestand aus einer Recycling-Box, in der alte und schlechte Gewohnheiten hineingeworfen werden konnten. Als drittes entwarfen die Gruppenmitglieder ein Glas, in dem beim Weltuntergang genau drei Dinge oder Ideen bewahrt werden konnten. Die Auswertung dieser Aktionen soll in der Zero Hour am Sonntag erfolgen.

Mit dem Publikum diskutierten die BewohnerInnen des Camps anschließend über die Formen der energiesparsameren Mobilität. Zusätzlich wurde die entstandene Öko-Szene thematisiert und Maßnahmen besprochen, mit denen Druck zum Handeln auf politischen Institutionen ausgeübt werden können.

Fotos vom Camp